Das Mittagessen wurde heute an Deck serviert. Das Buffet war im hinteren Teil des Schiffes aufgebaut worden. Reis, Beaf, frittierter Fisch und allerlei Salate. Sehr schön. Das Einzige was mich verwirrte, war das hinter dem Buffet aufgebaute Maschinengewehr nebst vier Polizisten. Das hatte ich bisher auch noch auf keiner meiner Nilkreuzfahrten gesehen. Gegen Gebühr durfte ich die Artillerie der M/S Concerto später sogar besichtigen.

 

Wenn man Personal oder Reiseleitung nach dem Grund solcher Bewaffnungen fragt, bekommt man ausweichende Antworten. Gefahr? Nein, keine Gefahr. Die Bewaffnung? Einfach nur so, die Polizisten haben Langeweile. Aus meiner Erinnerung weiß ich, dass es einen sicherheitsbedingten Grund hat, warum Kreuzfahrtschiffe den Nil nicht nördlich von Luxor befahren. Insofern war ich auch sehr verwundert über unseren Trip nach Dendera. Das Erscheinen der Polizeieskorte sagt jedoch alles.

 

Im Laufe des Nachmittags wundere ich mich, dass unser Nilkreuzfahrtschiff extrem langsam fährt, teilweise nur Schrittgeschwindigkeit. Das habe ich auch noch nicht erlebt. Ich frage Yasser den Barkeeper ob dies einen bestimmten Grund hat. Der hat jedoch auch keine Antwort.

 

Das Rätsel löst sich mit einem gewaltigen Ruck von selbst. Unser Schiff ist auf Grund gelaufen. Jetzt geht gar nichts mehr. Der Kapitän versucht die M/S Concerto rückwärts wieder flott zu machen, aber wir stecken fest. Nun setzt er zu unserer Befreiung auf Drehbewegungen. Erst nach rechts, dann nach links und wieder zurück. Rings um das Schiff färbt sich das Wasser braun von Nilschlamm.

 

Ich bin geschockt. Auf Grund gelaufen? Wie kann das sein? Das Schiff hat nur knapp zwei Meter Tiefgang. Ist der Nil so seicht? Offenbar ja. Langsam setzt sich die Concerto wieder in Bewegung, nur um hundert Meter weiter wieder auf Grund zu laufen. Ich sehe vor meinen Augen schon die Schlagzeile "Nilkreuzfahrtschiff auf Grund gelaufen" und überlege, wie ich mein technisches Equipment trocken an Land bringen soll, wenn wir schwimmen müssen.

 

Meine Bedenken waren voreilig, denn diese Schiffe scheinen für derartige Belastungen gebaut zu sein. Mit Stöcken von einem Beiboot aus messen Matrosen die Wassertiefe. Der Kapitän sucht von nun an stundenlang mit Schrittgeschwindigkeit passierbare Fahrrinnen.

 

Bezeichnenderweise treffen wir auf unserer Fahrt von Dendera nach Luxor auch nur auf ein einziges anderes Schiff. Offenbar wird dieser Nilabschnitt von den Schiffen weitgehend gemieden. Vielleicht auch wegen des niedrigen Wasserstandes im November, wer weiß.

 

Wir erreichen Luxor erst nach Sonnenuntergang. Die Kutschfahrt fällt somit aus.