Sonnendeck bei Nacht

Nach dem Abendessen gehe ich auf das Sonnendeck der M/S Concerto. Wir haben 21:30 Uhr und abgesehen vom künstlichen Licht der Schiffe und der Stadt ist es stockfinster. Allein zwei außerordentlich helle Sterne sind am Himmel zu sehen. Wobei ich glaube, der eine ist der Morgenstern und der andere irgendein Planet des Sonnensystems, der von der Sonne angestrahlt wird.
Das Sonnendeck der M/S Concerto ist ziemlich leergefegt. An ein paar Tischen sitzen jedoch noch Urlauber, die ihren Schlaftrunk zu sich nehmen. Ich stelle mich an die quadratische Theke neben ein Besatzungsmitglied im Blaumann, das sich mir als "Mohammed" vorstellt. Der Barkeeper gibt sich als "Yasser" zu erkennen und serviert mir nach einem kurzen hin- und her ein Dosenbier von der ägyptischen Marke Sakkara. Im Gegenzug unterzeichne ich den umgerechnet 5 Euro Beleg, der am Ende der Reise in Rechnung gestellt werden wird.
Mohammed erzählt mir, dass er aus Kairo kommt. Er ist dort verheiratet, aber der Lohn auf den Nilkreuzfahrtschiffen sei besser als zuhause. Daher arbeitet er stets 45 Tage in der Ferne und bekommt dafür dann zwei Wochen Urlaub, in denen er mit dem Bus zurück zu seiner Frau nach Kairo fahren kann. Sein monatlicher Lohn beträgt nach eigener Aussage rund 65 Euro.
Ich stelle fest, dass die Temperatur auf dem Sonnendeck der M/S Concerto erstaunlich angenehm ist. In Deutschland würden wir uns solche Abende manchmal im Hochsommer wünschen. Mein Bier neigt sich dem Ende, aber Yasser der Barkeeper möchte mich zu weiteren Alkoholika überreden, aber dafür war die Reise zu stressig, das Bett ruft stattdessen.
Eine Urlauberin kommt zur Bar, verlangt … Pfefferminztee und schlecht wieder zu ihrem Tisch zurück.. Noch bevor ich mir selbst die Frage beantworten kann, wozu man hier im Urlaub Pfefferminztee trinkt, klärt Yasser die Frage indem erso tut, als müsste er sich übergeben. Aha, da hat also Montezumas Rache zugeschlagen.
Zeit den Abend zu beenden.
Exkurs zum Sternenhimmel in der Wüste:
In Hurghada hatte ich einmal die Gelegenheit für eine Geländewagenfahrt in die Wüste. Auf dem Rückweg hielt der Fahrer in der Dunkelheit an und empfahl uns auszusteigen, um einen Blick auf den Sternenhimmel zu werfen. Ich empfand das als Unsinn, denn ich hatte schon oftmals einen schönen Sternenhimmel gesehen. Dennoch stieg ich der Vollständigkeit halber aus. Und es traf mich wie ein Schlag.
Was sich mir dort mitten in der Wüste fern ab jeglicher Zivilisation als Sternenhimmel präsentierte, war schier unglaublich. Man konnte nicht von vielen Sternen reden, sondern von wenigen schwarzen Flecken dazwischen. Quasi das komplette Firmament war erleuchtet. Unglaublich, so hätte ich mir das niemals vorgestellt.