
Mich hat es aber auch wirklich ganz hart erwischt. Die Kabine Nummer 429 liegt fast am Ende des Schiffes, quasi direkt über den drei mal 1000 PS Motoren der M/S Concerto. Dabei nutzt es gar nichts, dass ich mich im Oberdeck, also recht weit oben befinde.
Doch wozu gibt es eine Rezeption? Die auf der M/S Concerto übrigens gar nicht so aussieht, wie eine normale Rezeption. Sondern es handelt sich um eine Art Schreibtisch, der in einer großen Empfangshalle steht. Wirklich edel. Darauf steht ein Notebook, mit dem der Mann am Empfang nun prüft, ob für mich ein alternatives Zimmer im Schiff vorhanden ist. Sehr konzentriert hackt er in die Tasten.
Aber: Machen wir uns doch mal nichts vor. Sein Ergebnis wird sein, dass das Schiff völlig ausgebucht ist und keine alternativen Zimmer zur Verfügung stehen. Woher ich das weiß? Bin ich Hellseher? Nein, ganz und gar nicht. Das ist nämlich immer so. Denn wenn es irgendwie geht, will man die Idealisten in den bekanntermaßen unzumutbaren Zimmern belassen. Die ja auch vermietet werden müssen.
So kommt der Mann an der Rezeption nach einigen Minuten von selbst zur Erkenntis, dass keine andere Kabine frei ist. Vorsicht, lieber Urlauber. Jetzt sind Kenntnisse der ägyptischen Mentalität gefragt. Wildes Rumschreien wie in Deutschland wäre genauso falsch, wie gefrustetes Zurückziehen. Machen Sie stattdessen DEUTLICH klar, dass diese Räumlichkeit nicht länger akzeptabel ist. ABER der zuständige Ägypter darf sein Gesicht vor ihnen nicht verlieren!
Auf eine Absage bereits vorbereitet betone ich nochmals ruhig, aber in aller Deutlichkeit, dass ich dieses Zimmer auf keinen Fall weiter bewohnen werde. Weil es einfach nicht geht, weil ich dort definitiv nicht schlafen kann. Ich bringe zum Ausdruck, dass ich meinen Gegenüber sehr zu schätzen wüsste, wenn er einen Ausweg fände. Und überreiche diskret eine 5 Euro Banknote in Anerkennung seiner Bemühungen.
Siehe da, das Notebook spuckt nun tatsächlich eine Alternative aus. Ich kann schon morgen die Kabine wechseln. Ebenfalls Oberdeck, irgendwo in der Mitte. Weit ab von Geräuschen und Dieselqualm. Okay, eine Nacht in der alten Kabine, aber in Ägypten muss man kooperativ sein. Mit Dank verabschiede ich mich von meinem Gesprächspartner an der Rezeption.
Und nun einstweilen zurück in den "Maschinenraum".